Heimat in der Fremde - Fremde in der Heimat

100 Besucher beim Erzählcafé in St. Johannes zum Thema Heimat und Fremde mit Perspektiven für Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt

Unter dem Titel - Heimat in der Fremde - Fremde in der Heimat luden die Caritasdienste in der Flüchtlingsarbeit, der Ausschuss für Flüchtlingsarbeit der katholischen Kirchengemeinde und das Team der katholischen Erwachsenenbildung von St. Johannes in Nürtingen im Rahmen eines Erzählcafés zu einem interkulturellen Austausch ein.

Fünf Frauen und Männer, unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Wurzeln kamen dabei miteinander ins Gespräch. Inhaltlich durch den Abend führte Brunhilde Clauß, die ihnen persönliche Fragen stellte zu ihrem Verständnis von  Heimat, sowie zu Erfahrungen mit Vertreibung oder Flucht. Im Verlauf des Abends  schilderten die Gäste auf dem Podium ergreifend persönliche Erlebnisse, die sie teilweise bis heute verarbeiten mussten.
Sie erzählten aber auch von Begegnungen mit Menschen, die Sie in dieser Zeit und weiterhin tatkräftig unterstützt und ermutigt haben. „Am Anfang war die Sprache für mich sehr schwer, „so ein junger Mann  aus Syrien, der zuvor keine Schule besucht hatte. „Doch dann haben mir Ehrenamtliche geholfen, die für mich, fast wie Verwandte geworden sind….“. Dass das Thema Ankommen in einem fremden Land eine große Herausforderung für alle Seiten - zwischenmenschlich, kulturell und praktisch bleibt - wurde auch bei der anschließenden

Diskussion mit dem Publikum deutlich. Der Saal des Gemeindehauses war gut gefüllt mit nahezu 100 Besuchern.
Das große Interesse an der Veranstaltung zeigte, dass das Thema Integration Menschen quer durch alle Bevölkerungsgruppen beschäftigt, ehrenamtliche und hauptamtliche Kräfte mobilisiert und damit eine Aufgabe für „Alle“ ist.
„Heimat teilen“, so Brunhilde Clauß setzt voraus, sich füreinander zu interessieren und sich nicht abzugrenzen durch reale oder gedachte Mauern und Zäune. Es geht vielmehr darum sich enger miteinander zu verbinden, Anteilnahme zu zeigen und sich damit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einzusetzen.“

Und eine junge Kroatin, aufgewachsen in Bosnien, die als Kind während des  Jugoslawien-Kriegs  flüchten musste, betonte: „Heimat finden setzt  voraus, dass man Altes loslässt und Neues anzunehmen bereit ist. Erst als ich das verstanden hatte, konnte ich mich für die zweite Heimat in Deutschland wirklich öffnen.“

Als das Erzählcafé nach spannenden zwei Stunden endete, konnten alle Beteiligten der Aussage zustimmen: „Heimat ist nicht nur ein Ort. Heimat kann immer wieder neu entstehen, wo Menschen sind, mit denen ich mich verbunden fühle.“

 

Brunhilde Clauß/Mai 2018