Kaspar, Melchior und Balthasar waren unterwegs

„Segen bringen – Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit!“ Bericht von Mareike Schlensog, Sternsingerin, 15 Jahre

Nürtingen (mes). Auch 2018 waren wieder die Sternsinger unterwegs. Mit ihrem diesjährigen Motto „Segen bringen – Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit!“ machten rund 330.000 Könige und ihre 90.000 Begleiter bundesweit auf dieses Thema aufmerksam. Das Beispielland der 60. Aktion Dreikönigssingen ist Indien. Die Zahl der arbeitenden Kinder ist dort weltweit am größten: Offizielle Schätzungen sprechen von zwölf Millionen Kindern, die zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen müssen. Und das, obwohl Kinderarbeit unter 14 Jahren im Jahr 2006 gesetzlich verboten wurde. Mit der Aktion Dreikönigssingen, die vom Kindermissionswerk ´Die Sternsinger` und vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) angeleitet wird, werden weltweit mehr als 1.500 Projekte für notleidende Kinder finanziell unterstützt.

In Nürtingen waren 229 Sternsinger mit 97 Begleitern oder Helfern in den ersten Tagen des Jahres unterwegs, um Spenden zu sammeln. Ich selbst bin seit zehn Jahren aktiv bei den Sternsingern in Zizishausen dabei und habe daher Eindrücke, die man beim kurzen Besuch der Sternsinger an der Haustür nicht erhalten kann.

Was viele nicht wissen, die Aktion Dreikönigssingen – wie die Sternsinger-Aktion offiziell heißt – begann in Zizishausen bereits Ende November mit einem Vortreffen. Dabei erhielten alle Könige, Königinnen und Begleiter Hintergrundinformationen über das Thema, das Beispielland und über die Aktion selbst. Das Thema und das Beispielland wurde den Kindern durch einen Film, seit einigen Jahren von Willi Weitzel von „Willi will‘s wissen“ – zuvor von Armin Maiwald von der „Sendung mit der Maus“ – nähergebracht: Willi reiste nach Indien,  um sich direkt vor Ort mit betroffenen Kindern und deren Familien auszutauschen und ihre Lebensumstände hautnah zu erleben. So bekamen die Sternsinger einen Eindruck davon, wo und wie ihr Einsatz Gleichaltrigen anderswo auf der Welt helfen kann. Aber auch die organisatorischen Belange der Aktion wurden besprochen. Es wurden die Gewänder herausgesucht, die Gruppen eingeteilt und mit den Begleitern die zu besuchenden Gebiete verteilt.

Vor dem Aktionsstart wird geübt

Dann trafen sich die Gruppen noch einmal privat, um die Sprüche, die an den Haustüren aufgesagt werden, zu verteilen und Lieder einzuüben – schließlich sollte ja alles klappen, wenn die Könige von Tür zu Tür zogen. Diese kleineren Treffen waren meist an Wochenenden oder schon in den Weihnachtsferien.

Gemeinsame Eröffnung in St. Johannes

An Neujahr begann die offizielle Aktion mit einem zentralen Aussendungsgottesdienst in der Nürtinger St. Johannes-Kirche, in dem sich alle Nürtinger Sternsinger trafen und vom Pfarrer gesegnet wurden, damit alles gut ginge und nichts Schlimmes passiere. Auch die klassischen Sternsinger-Utensilien wie Kreide, Weihrauch und die Sterne selbst wurden gesegnet. Pfarrer Ansgar Leibrecht dankte den Kindern bereits vorab für ihren Einsatz, denn immerhin opferten sie fürs Sternsingen einen guten Teil ihrer Ferien.

In Zizishausen werden alle Häuser besucht

Nachdem alle in ihre Gemeindeteile zurückgekehrt waren, liefen die Gruppen schon mit Weihrauch, Kreide und Spendenbüchse los und segneten die ersten Häuser. „20*C+M+B+18“ schreiben die Sternsinger über die Türen, was im Volksmund zumeist mit „Caspar, Melchior und Balthasar“ übersetzt wird. Tatsächlich jedoch bedeutet dieses Kürzel „Christus mansionem benedicat“ – „Christus segne dieses Haus“ und zeugt das ganze Jahr hindurch vom Besuch der Sternsinger. Umrahmt von Liedern über das Weihnachtsgeschehen überbringen die Kinder so gute Wünsche für das neue Jahr an jede Zizishäuser Tür, ganz gleich, ob dahinter Katholiken wohnen oder Menschen mit anderen Glaubens- und Wertvorstellungen.

Unterwegs von Haus zu Haus gab es allerhand zu erleben. Die meisten Menschen öffneten ihre Türen und waren sehr freundlich, doch es gab auch Türen, die verschlossen blieben oder wieder zugingen. Manchmal bekam man die Tür regelrecht vor der Nase zugeschlagen – eine Erfahrung, von der man sich nicht entmutigen lassen durfte, mit der jedoch nicht ganz einfach umzugehen war. An anderen Häusern spielten sich lustige Szenen ab, beispielsweise wenn an der Sprechanlage geantwortet wurde, man läge gerade in der Badewanne. Oder es öffnete sich ein Fenster, und als derjenige die Sternsinger sah, rief er, er sei nicht zu Hause. Und manchmal wurde nach dem Klingeln im Haus auch das Licht gelöscht oder der Rollladen geschlossen. Dann dachten sich die Sternsinger ihren Teil und zogen weiter. Doch trotz allem machte die Aktion sehr viel Spaß.

Während man unterwegs war, merkte man gar nicht, wie schnell die Zeit verging. Die Füße wurden schwerer, genauso wie die Süßigkeiten-Tasche, denn während alle Spendengelder ausnahmslos an die Aktion gestiftet werden, bekommen die Kinder als Aufmerksamkeit Schokolade und andere Leckereien von den Besuchten. Und auch damit bewirken die Sternsinger Gutes: Nachdem sich alle Sternsinger an den Süßigkeiten bedient hatten, wurden die restlichen Weihnachtsmänner, Bonbons, Kekse und und und dem Nürtinger Tafelladen gespendet. Und während sich Spendendose und Süßigkeiten-Tasche immer weiter füllten, wurden Hände und Ohren immer kälter und es war an der Zeit, Feierabend zu machen. 

Zum Feierabend ins „Hauptquartier“

Dafür gingen die Zizishäuser Sternsinger ins Gemeindehaus St. Nikolaus, in dem sich ihr „Sternsinger-Hauptquartier“ befand. Im mollig warmen Gemeindesaal, bei Kerzenschein und heimelig dekorierten Tischen wurden die tapferen Könige bereits vom Küchenteam mit heißem Punsch und warmer, leckerer Verpflegung erwartet. Die Kinder konnten sich aufwärmen, sich über ihre Erlebnisse des Tages austauschen und Gemeinschaft erleben. Außerdem wurde das Geld, das gesammelt wurde, gezählt und die Süßigkeiten wurden verteilt. Auf einem aushängenden Spendenbarometer wurde der Spendenstand eingetragen und auf dem sich stetig weiter füllenden Stadtplan konnten die Kinder erkennen, welche Straßen in Zizishausen noch nicht besucht worden waren.

„Sondereinsätze“ auf den Rathäusern

Highlights der Aktion 2018 waren wieder die „Sondereinsätze“, die gruppenübergreifend absolviert wurden. So besuchte eine stattliche Abordnung sowohl die Ortsverwaltungen in den Gemeindeteilen, als auch die örtlichen Kindergärten. Und dieses Jahr erschienen die Majestäten aus Neckarhausen zur Audienz bei Oberbürgermeister Otmar Heirich im Nürtinger Rathaus, um auch dort die friedensstiftende Botschaft von Weihnachten zu verkünden und den Segen für die politischen und administrativen Entscheidungen im kommenden Jahr zu bringen. Manche Gruppen besuchten auch Nürtinger Seniorenheime und andere Einrichtungen. Bei diesen Besuchen konnten die Sternsinger hautnah erleben, welche Freude ihr Besuch bringen kann und wie begeistert sie aufgenommen wurden.

Die katholische Aktion läuft ökumenisch

Mit oftmals ökumenischen Gottesdiensten am Dreikönigstag und einem anschließenden kleinen Sternsinger-Fest endete die Aktion Dreikönigssingen 2018 in den verschiedenen Gemeindeteilen. Und wir Sternsinger können stolz sein auf die von uns gesammelten EUR 46492,28. Auch nächstes Jahr werden wir wieder unterwegs sein, die vielen tausend Wohnungen in Nürtingen besingen und dann an die Türen schreiben: „20*C+M+B+19“.

Fotos: Michael P. Schlensog; Text: Mareike E. Schlensog