Mit geflüchteten Menschen und Einheimischen aus Nürtingen, gemeinsam die Freizeit verbringen

Interwiev - OFFENE FREIZEITGRUPPE

Brunhilde Clauß hat Nathalie Wiedmann und Claudia Fiore von der Offenen Freizeitgruppe unserer Kirchengemeinde für ein Interview getroffen. Die beiden jungen Frauen verabreden sich seit Mitte 2015 regelmäßig in 14- tägigem Abstand, samstags oder sonntags mit geflüchteten Menschen und Einheimischen aus Nürtingen, um gemeinsam Freizeit zu verbringen:

Pünktlich um 13.00 Uhr, warten die beiden auf dem Vorplatz von St. Johannes :
„Es ist jedes Mal wieder neu spannend, wer kommt – junge Männer und vereinzelt auch Frauen aus Syrien, Gambia oder anderen Ländern, mittlerweile auch nachgereiste Familienmitglieder.“ berichtet Claudia Fiore. Sicher sind sich die beiden: immer ist jemand vom harten Kern dabei. Noch nie musste das Treffen ausfallen. Die Begrüßung ist herzlich und vor dem Gemeindehaus sind Lachen und interessante Grußformeln auf arabisch, farsi, wollof oder mandinka zu hören. Verschiedene Sprachen sind dabei kein Hindernis. Das gemeinsame Interesse miteinander ein paar schöne Stunden zu verbringen verbindet. Immer wieder stoßen auch Interessierte aus der Nachbarschaft von St. Johannes, aus Nürtingen und Umgebung dazu. Eine gute Gelegenheit sich persönlich kennenzulernen und sich dadurch besser zu verstehen. Man erfährt aber auch von Sorgen und Nöten, mit denen sich die Geflüchteten im Alltag beschäftigen müssen. Von bürokratischen Hürden, Enttäuschungen bei Ablehnung von Asylanträgen, oder über eine versagte Arbeitserlaubnis, obwohl man den Arbeitsvertrag schon so gut wie in der Tasche hatte.
Das Freizeitangebot und der Spaß stehen im Vordergrund und sind für alle Altersgruppen, Männer und Frauen offen. Vorschläge kann jede/r einbringen.

 

Brunhilde Clauß: „Warum engagieren Sie sich ehrenamtlich in Ihrer Freizeit?“


“2015 haben mich die Szenen von überfüllten Booten sehr berührt und schnell war mir klar – ich möchte Menschen helfen, die so viel Leid erlebt haben, damit sie sich hier zurechtzufinden und zur Ruhe kommen können. Über die alltäglichen Probleme hinaus sollen sie auch Schönes und Leichtes kennenlernen.“ so Claudia Fiore.
Nathalie Wiedmann ergänzt:“ Wir sind Freundinnen, verstehen uns gut und wollten deshalb gemeinsam aktiv werden. Weil wir beide berufstätig sind, geht dies besser am Wochenende. Die Geflüchteten haben da auch weniger Verpflichtungen z.B: keine Sprachkurse. Sie leben in beengten Verhältnissen und sind froh rauszukommen. Es macht Spaß, die uns vertraute Umgebung mit den Augen von Menschen aus einer anderen Kultur zu entdecken – und wir bekommen viel zurück.“

Brunhilde Clauß: "Wer macht die Vorschläge für das Programm und was kommt am Besten an?"

„Wir sind offen. Vorschläge können alle Teilnehmenden machen. Eigentlich ist das, was wir anbieten banal und besonders zugleich. Wir sind viel in der Natur unterwegs – zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Es macht Spaß gemeinsam die Schwäbische Alb zu erkunden, Volleyball zu spielen, Spiele im katholischen Gemeindehaus zu machen oder miteinander etwas Fremdes zu kochen oder Traditionelles zu backen“ beschreibt Nathalie Wiedmann.„Als wir einmal gegrillt haben bei einem Ausflug auf den Hohen Neuffen, hat einer der Teilnehmer von sich mit leuchtenden Augen erzählt: „ Das erinnert mich sehr an früher, als ich noch in Syrien war. Zuhause machten wir oft am Wochenende Ausflüge mit der ganzen Familie ins Grüne…wir haben gegrillt und bis zum späten Abend in der Großfamilie Zeit miteinander verbracht. Meine Familie vermisse ich sehr…. “

Brunhilde Clauß: "Wer unterstützt Sie bei der Durchführung?"

„Wir erfahren wertvolle Unterstützung von der Kirchengemeinde und dafür sind wir dankbar. Gelegentlich können wir das Bussle der Kirchengemeinde ausleihen oder bei schlechtem Wetter Räumlichkeiten im Gemeindehaus nutzen. Das ist hilfreich und auch die Teilnehmer freuen sich darüber sehr..."

Brunhilde Clauß: "Was wünschen Sie sich für die Gruppe für 2018?"


„Dass diese weiterhin besteht, indem immer wieder neue Teilnehmende dazukommen. Durch die Anschlussunterbringung nach zwei Jahren ziehen Geflüchtete häufig auch wieder von Nürtingen weg. „
Beide sind sich einig: Die offene Freizeitgruppe bietet eine Gelegenheit, bei der sich Geflüchtete und Menschen aus der Kirchengemeinde und aus Nürtingen begegnen und besser kennenlernen können, ohne dass Sie dadurch eine Verpflichtung eingehen müssen.

„Wir sind überzeugt davon“, so die beiden engagierten Gruppenleiterinnen: „nur wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturen einander persönlich kennenlernen, einander zuhören, verstehen sie sich auf Dauer besser und das Fremdsein nimmt allmählich ab.
Das gilt auch für geflüchtete Menschen untereinander, die sich ebenfalls häufig fremd bleiben, obwohl sie eng beieinander leben.
Zufrieden resümieren sie:“ Bei uns spielen junge Gambier und Männer aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan, obwohl sie verschiedene Motive haben hier zu sein, friedlich miteinander Fußball. Frauen und Männer verbringen gemeinsam Zeit und begegnen sich in der Gruppe respektvoll.

Wenn Sie Lust bekommen haben herein zu schnuppern in die Gruppe, sind Sie herzlich eingeladen.
Entweder Sie kommen an einem der ug. Termine zum Vorplatz der katholischen Kirchengemeinde, Vendelaustr.30 St Johannes und nehmen spontan teil
oder Sie melden sich bei weiteren Fragen bei Claudia Fiore  unter
E-Mail: claudia30nt(at)web.de
Mobil: 01777 89 71 19

Wenn Sie uns darüber hinaus anderweitig unterstützen möchten, z.B: mit einer guten Idee für ein interessantes Freizeitangebot oder gelegentlichem Fahrdienst, freuen wir uns ebenfalls über Vorschläge.

Die Termine  für die nächsten Monate finden Sie unter im Gemeindeblättle.